Lernfeld Migration: Beratung, Fortbildungen, Vorträge und Publikationen zu den Themen interkulturelle Kompetenz und migrationssensibles Handeln im pädagogischen Alltag

LEMI vom Jugendintegrationsdienst Migration e.V.

migration e.V. Interkulturelles Lernen: eine Schlüsselqualifikation

Migration und Integration werden zunehmend zu einer Querschnittaufgabe der Pädagogik, denn: "Jede fünfte in Deutschland geschlossene Ehe ist heute binational, jedes 4 Neugeborenen hat mindestens einen Elternteil mit Wanderungshintergrund, rund ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in den Deutschen Schulen kommt inzwischen aus Migrantenfamilien"*. Dadurch wird interkulturelles Lernen und die damit erworbene Kompetenz zu einer Schlüsselqualifikation nicht nur von Kinder und Jugendarbeit oder Jugendhilfe. Auch Beratungsangebote von Drogenberatung bis hin zur beruflichen Eingliederung sowie Schule und Bildungsangebote brauchen Konzepte die dem Migrationshintergrund ihrer KlientInnen gerecht werden.

migration e.V. Den Berufsalltag erleichtern

Lemi wurde, mit der Absicht in Seminare mit möglichst hoher Praxisrelevanz zu konzipieren, aus der Praxis für die Praxis entwickelt. Ziel aller Schulungen und Beratungen ist es Möglichkeiten migrationssensibles Handelns aufzuzeigen, die den Berufsalltag der Teilnehmenden vereinfachen. Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Themenschwerpunkte:



  • Der Migrationsprozeß
  • die Bedeutung der Sprache,
  • der Umgang mit divergierenden Kulturellen Regeln,
  • strukturelle Benachteiligungen,
  • Handlungshilfen für den Alltag .

migration e.V. Gewalt Prävention

LEMI entstand als eine Konsequenz aus Lilli, einem Projekt zum Thema alltägliche Gewalt an Kieler Schulen. In den Berichten des Alltagserlebens, der an Lilli teilnehmenden LehrerInnen wurden die gewaltauslösenden Aspekte von mangelnder Integration und Chancengleichheit zunehmend deutlich. Auch auffällig scheint, dass MigrantInnen zwar vermehrt Gewalt erfahren (auch häusliche), aber bei der Annahme von Hilfsangeboten eher unterproportional vertreten sind.

LEMI vom Jugendintegrationsdienst Migration e.V.

migration e.V. Deutschland ein Einwanderungsland?


Mag die bundespolitische Prominenz dieser Frage erst seit wenigen Jahren bejahen, für die meisten PädagogInnen ist es schon lange Realität: "denn in ihren Klassenzimmern Kindertagesstätten und Jugendtreffs sind sie schon längst angekommen die Kinder der Ausländerinnen und Ausländer, die Spätaussiedler und Spätaussiedlerinnen die jüdischen Kontingentflüchtlinge die Asylbewerberinnen und Asylbewerber und die Geduldeten."
Die Ursachen hierfür sind vielfältig, wichtige Faktoren sind zum Beispiel:

  • die Globalisierung (capital flow needs migration flow)
  • ökologische und ökonomische Flüchtlingsbewegungen
  • Kriege und ethnische Verfolgung in den Herkunftsländern
  • Perestroika und die Öffnung des Ostblocks

Die Vielfältigkeit der Gründe macht deutlich, dass die Regierungen von Einzelstaaten nur noch begrenzt Einfluss auf die Migrationsbewegungen nehmen können. Zwar mag zum Beispiel das Deutsche Vertriebenenrecht und die damit verbundene Politik einen Einfluss auf die zugewanderten (Spät) AussiedlerInnen gehabt haben, doch war dies bis zur Öffnung des Ost-Blockes marginal. Erst die Kombination beider Faktoren ermöglichte vielen Vertriebenen eine Rückkehr nach Deutschland, die dadurch einen Einfluss auf unseren (pädagogischen) Alltag gewinnt.
Nicht nur die Gründe der Migration sind vielfältig auch die Herkunftsländer. Die Zeiten, in denen eine Flüchtlings Generation zum großen Teil aus der gleichen Herkunftsregion kommt gehören der Vergangenheit an. Beides muss in den neuen pädagogischen Konzepten berücksichtigt werden.

migration e.V. Das Fremde willkommen heißen

Für den Begriff "interkulturelle Kompetenz“ ist in der Fachliteratur keine Einheitliche Begriffsbestimmung zu finden. Da LEMI ein regionales Projekt ist, halten wir uns an die Definition des Konzeptes zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Schleswig-Holstein, herausgegeben vom Innenministerium. Hier finden wir folgende Beschreibung:

" Offenheit und Toleranz

  • Zuhören können
  • Empathie/Einfühlungsvermögen/Verständnis
  • Die Fähigkeit, Widersprüchlichkeiten zur eigenen Lebensweise tolerieren zu können
  • Eigenkulturelle Reflexion
  • Interkulturelle Kommunikationsfähigkeit
  • Kompromissbereitschaft
  • Stresstoleranz
  • Flexibilität
  • Selbstsicherheit

Kulturkompetenzen sowie Sprachkompetenzen erhöhen die interkulturelle Kompetenz einer Fachkraft sehr."

Diese Liste löst, so unsere Erfahrung, oftmals Überforderungsgefühle aus. Deshalb ist es wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um Maximalforderungen handelt, einer Zielgeraden, auf die wir zusteuern wollen.

Gleichzeitig verdeutlicht die Liste:
"Interkulturelles Lernen besteht nicht nur aus der Aneignung eines neuen "methodischen Kniffs", es geht vielmehr darum, grundsätzliche Fragestellungen, die bewährte Praxis, lieb gewonnene Routinen, persönliche Einstellungen und Sicherheit spendende Strukturen zu überprüfen. Denn all dies kann bestimmte Personen-gruppen ausgrenzen.“ ***
Anders formuliert:
„In der Berührung mit den Erfahrungswelten anderer Kulturen werden scheinbar selbstverständliche Forderungen des Seins hinterfragt – sofern man sich hinterfragen lässt.“ ****
Interkulturelle Kompetenz beinhaltet die Aufgabe, sich das Fremde vertraut zu machen, ja, es willkommen zu heißen.

Dabei ist zu berücksichtigen:
„In seiner frühesten Form ist das Fremde die Nicht-Mutter, und die Abwesenheit der Mutter lässt Angst aufkommen…es bedarf immer einer Überwindung der Angst, um sich dem Fremden zuzuwenden.“ *****

Nicht nur deshalb ist der Erwerb interkultureller Kompetenz auch immer gekoppelt mit einer Auseinandersetzung mit sich und dem eigenen Selbstbild.
Wie viele dieser großen Herausforderungen unseres (Berufs-) Lebens entpuppt sich dieser Weg oftmals als lustvoll und bereichernd.

migration e.V. Das Rezept

Dieser Anteil des Prozesses wird deutlicher, wenn wir uns dem "Rezept" zuwenden, dass Arist von Schlippe, Mohammed El Hachimi und Gesa Jürgens entwickelten.

Es lautet:

  • 3 Esslöffel Empathie
  • 2 Gläser frische Anteilnahme
  • 70g Erkennen von Affekten
  • 5-7 Tüten Querdenken
  • 4 Stück eingelegten Scharfsinns
  • eine Prise freundliche Neugier (es darf auch etwas mehr sein)
  • eine Portion Weisheit
  • und natürlich: jede Menge Geschichten…“***

Als Beilage empfehlen wir eine großzügige Portion Selbstreflektion.

Quellen:
*= Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland 2005

**= Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg., 2002): Konzept zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Schleswig-Holstein,

***=Methodenordner des Arbeitskreises interkulturelles Lernen in Baden-Württemberg

****= A. von Schlippe, M. El Hachimi, G. Jürgens (2004): Multikulturelle systemische Praxis. Ein Reiseführer für Beratung, Therapie und Supervision. Heidelberg(Carl-Auer-Systeme Verlag), S.64/ 18

***** = Erdheim, M. (1994): Das fremde Böse. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 43 (7): 242-247



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